24. März 2017

BOOK VS MOVIE: NERVE

Einen wunderschönen Freitag wünsche ich!
Ich bin tatsächlich noch am Leben - auch wenn ich krank im Bett liege - und schreibe heute einen für mich eher ungewöhnlichen Post. Nämlich möchte ich gerne das Buch "Nerve" mit dem zugehörigen Film vergleichen. Viel Spaß! (Achtung, einige Spoiler zum Buch sind drin!)

Du nimmst dir alles viel zu sehr zu Herzen. Du bist ein guter Mensch, Vee. Und du hast eine ganz spezielle Ausstrahlung. Ich weiß gar nicht, warum du die so versteckst, wenn du mit deinen Freunden zusammen bist. Aber ich hatte die Gelegenheit, sie zu erleben.
Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war ich begeistert. Wir sprechen von einem gut gemachten Film, der die Gefahren des Internets indirekt betont und vor ihnen warnt. In Nerve geht es um ein gleichnamiges, illegales Spiel, bei dem sogenannte Player mitspielen, um Geld und Berühmtheit zu erlangen. Denn das Spiel ist bekannt und die sogenannten Watcher, die Zuschauer, sind gerne bereit, zu zahlen und ihre Lieblingsplayer zu unterstützen. Doch dass dieses Spiel nicht nur witzig ist, sondern auch Gefahren birgt, wird recht schnell klar. Unsere Protagonistin, die schüchterne Vee, will eigentlich gar nicht bei dem Spiel mitmachen. Doch als ihr Schwarm sie eiskalt abserviert und all ihre Freunde ihr das Spielen gar nicht zutrauen, beschließt Vee das Unmögliche und macht mit.
Mir hat der Film sehr gut gefallen, weil ich mich mit Vee sehr gut identifizieren konnte. Sie ist ein sehr schüchternes, zurückhaltendes Mädchen, welches das Beste für ihre Familie will und für deren Wohl ihr eigene in den Hintergrund zu stellen versucht. Sie ist sensibel und bricht aus ihren geregelten Bahnen aus, als sie Nerve spielt. Auch die Schauspielerin hat mir wirklich gut gefallen und passte perfekt in Vees Rolle.
Im Buch dagegen hatte ich dieses Gefühl nicht. Ich konnte mich nicht mit Vee anfreunden, da ihr Verhalten ziemlich egoistisch war und die Figur der Vee aus dem Film nicht mal ähnelte. Generell ist der Film einfach komplett anders als das Buch - bis auf die blanke Grundidee und die Namen der Charaktere wurde im Film einfach alles geändert. 
Ich muss trotzdem sagen, dass mir der Film wesentlich besser gefallen hat, da er schlichtweg spannender war. Die "Challenges" standen in einem besseren Zusammenhang und es war wesentlich einfacher, die Sprünge von Szene A zu Szene B zu verstehen. Im Buch dagegen scheint alles wenig Sinn zu machen und Vee handelt verantwortungslos; hat nichts gemeinsam mit der Vee aus dem Film.
Es mag daran liegen, dass ich den Film zuerst gesehen habe, doch ich fand das Buch um ehrlich zu sein einfach schwach. Ich mochte zwar den Schreibstil recht gerne, aber die Umsetzung hat mich schlichtweg enttäuscht, da auch die Geschichte selbst kaum Parallelen zum Film aufweist. 
Was mir am Film nicht gefallen hat, ist, dass die Hintergründe gefehlt haben. Wir sehen Vees Vater nicht und erfahren mit keinem Sterbenswort, warum. Ich hätte es spontan abgehakt als geschiedene Eltern - verwirrend, vor allem, da Vee im Buch zwei Elternteile hat. Im Film ist Vees Bruder tot. Wir erfahren nicht, wieso oder wie er gestorben ist - im Buch hat Vee keinen Bruder sondern eine dunkle Vergangenheit, die mit keinem Wort im Film erwähnt wird. Ich finde, man hätte sie gut in den Film einflechten können, doch als ich mir einige Gedanken darüber machte, wurde mir bewusst, wie lächerlich diese "Vergangenheit" von Vee tatsächlich ist, da sie versehentlich versucht sich umzubringen. Fragt mich nicht, wie das geht, sondern zweifelt einfach an Vee.
Am Film hat mir sehr gut gefallen, dass die Action nie verloren ging. Wir erleben die spannende Nacht mit, die Ian und Vee gemeinsam durchmachen und fühlen uns, als würden wir hinter ihnen auf dem Motorrad sitzen. Die Musik fügt sich perfekt in das Bild des Films ein und untermalt die besondere Atmosphäre der Nacht, in der Nerve sich zum Alptraum entwickelt. 
Zudem übermittelt der Film eine besondere - und meiner Meinung nach auch wirklich wichtige - Botschaft: Das Internet ist gefährlich. Natürlich wissen wir das alle, doch sind wir uns dessen auch wirklich bewusst? Wissen wir wirklich, dass die Dinge, die wir auf unsere Wunschliste bei einem Modeunternehmen setzen, immer öfter am Rand auftauchen? Jede Information, die Nerve im Netz über Vee und Ian und andere Spieler über sie findet, ist wie ein Puzzleteil, welches sich nach und nach zu einer schlimmeren Challenge für jeden der Spieler zusammensetzt.
Am Buch hat mir eigentlich nichts besser gefallen. Die Liebesgeschichte zwischen Ian und Vee kam mir total utopisch vor - ich meine: niemand verliebt sich innerhalb einer Nacht auf Teufel komm raus, oder? Im Film aber konnten die beiden Schauspieler diese Gefühle - anders als im Buch - wirklich real rüberbringen und ich habe eingesehen, dass es wohl doch möglich sein muss, sich innerhalb einer Nacht zu verlieben (was ich nach wie vor verrückt finde).
Wenn ihr noch nie irgendetwas von Nerve gehört habt, empfehle ich euch, den nächsten freien Abend mit dem Film auf der Couch zu verbringen, denn der Film ist wirklich, wirklich gut und auch wenn es an der ein oder anderen Hintergrundinfo mangelt, kann man sich als Zuschauer diese halbwegs herleiten. Falls ihr ein Buch bevorzugt, ist dem nichts einzuwenden, denn auch das Buch hat einen tollen Schreibstil. 
Wenn ihr mich fragt, was ich besser finde, muss ich ganz klar mit "Der Film" antworten. Ich hatte recht hohe Erwartungen an das Buch, welche nicht mal ansatzweise erfüllt wurden. Somit bin ich tatsächlich recht enttäuscht und traurig darüber, dass es mich nicht begeistern konnte. 
Ob beides zusammen wirklich so eine kluge Idee ist, bleibt jedem selbst überlassen, doch um ganz ehrlich zu sein, empfehle ich euch eine entweder-oder-Auswahl. Liest man das Buch zuerst und dann den Film, wird man geschockt darüber sein, dass der Film einfach nichts vom Buch enthält. Macht man es andersherum, wird man geschockt sein, weil das Buch im Vergleich einfach schwach ist. 
Der Film ist ein Allrounder, der mich wirklich begeistern konnte. Obwohl ich ihn mittlerweile schon zwei Mal gesehehen habe, würde ich ein drittes Mal definitiv nicht verschmähen. Das Buch ist dagegen eher ein Einzelgänger, der mich leider enttäuscht hat.

Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Bei mir ist es einfach ganz genau so, wie bei dir :D
    Ich habe ebenfalls zuerst den Film gesehen und fand ihn fantastisch- ich war absolut begeistert und wollte ihn gleich noch einmal sehen. Es ist alles wunderbar gemacht, ich mochte Vee total und und und.
    Das Buch hat mich bitter enttäuscht. Ich finde, im Buch fehlt einfach der richtige Grund, warum Vee nicht einfach aufhört - also schon vor dem Finale (das ich im Film auch viel spannender finde). Die Aufgaben im Buch waren auch nicht halb so spannend, die Belohnung icht halb so groß.

    Der Film hat mir da ganz klar besser gefallen :)

    Liebst, Lara.

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  2. Ich habe den Film zwar nicht gesehen, allerdings glaube ich mittlerweile auch, dass es mir ähnlich gehen würde. Das Buch fand ich "okay", hatte allerdings auch einige Kritikpunkte...

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