26. März 2016

REZENSION || MEIN HERZ HÄMMERT, DASS ES WEHTUT ~ BRYNJULF JUNG TJØNN


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INHALT
♦   Kann man gleichzeitig tieftraurig und unglaublich glücklich sein? Henrik muss miterleben, wie sein geliebter Onkel Simon an Krebs erkrankt und schließlich stirbt. Gleichzeitig verliebt Henrik sich in die lebensfrohe Kjersti. Hin und her gerissen zwischen Liebe, Trauer und Schuldgefühlen erfährt Henrik: das Leben geht weiter. Und nicht nur das. Trotz aller Traurigkeit ist das Leben schön. Nur eben anders.

ERSTER SATZ
♦    Am besten kann ich mich an seine gelben Zähne erinnern.


MEINE MEINUNG
♦    Kennt ihr diese Bücher, an die man ganz hohe Erwartungen hat? So war es bei diesem Buch. Viele Blogger und deren Rezensionen lobten das Buch in den Himmel. Meistens bin ich ja eher skeptisch, was sowas angeht, aber dieses Buch klang so gut, dass ich es glaubte. Als ich es dann Ende der Woche in der Schulbibliothek entdeckte, lieh ich es kurzerhand aus. Normalerweise ist das ein Prozess, der immer gleich vonstatten geht: Ich leihe ein Buch aus und gebe es eine Woche nach dem eigentlichen Rückgabedatum ungelesen zurück. Das liegt daran, dass ich ja eigentlich genug eigene ungelesene Bücher im Regal habe ... Aber bei Mein Herz hämmert, dass es wehtut war ich mir relativ sicher, dass ich es lesen würde. Und so war es auch. Allerdings konnten die gut 120 Seiten mich leider nicht so vom Hocker reißen. 
TITEL 
♦   Der Titel ist eine wahre Aussage, die einen persönlich trifft. Eine Aussage, die jeder nachvollziehen kann. Und darum funktioniert sie als Titel auch so fantastisch. Jeder kann sich mit Henrik identifizieren beziehungsweise sich in ihn hineinversetzen. Das der Titel zeitgleich auch noch die poetische Ader trifft, punktet ebenfalls.  2 | 2 Punkte

COVER
♦   Das Cover gefällt mir gut. Auf den ersten Blick sieht man einfach nur Farben, den Titel und den Namen des Autors. Doch dann fällt einem vielleicht das Herz im oberen und die Träne im unteren Bereich auf. Ein Herz, das diese Botschaft weint. Ich habe Schmerzen. Poetisch und berührend. Doch nur, wer auf diese Details achtet, wird auch dafür belohnt.   2,5 | 3 Punkte

INHALTSANGABE
♦   Auf den ersten Blick wirkt die Inhaltsangabe wie eine Anleitung: Was passiert, wenn dein Onkel an Krebs stirbt? Wie gehst du damit um? Auf den zweiten Blick ist die Inhaltsangabe jedoch so viel mehr. Henrik und Simon. Henrik und Kjersti. Henrik und zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Simon, bei dem es nur noch eine Frage von Tagen ist, bis er stirbt. Dann Kjersti, die stets fröhlich und lustig ist. Bei ihr ist Henrik glücklich, bei Simon dagegen traurig. Aber wie kann das sein, wo doch früher Simon Henrik glücklich gemacht hat? Und darf man das überhaupt? Glücklich, aber auch traurig sein? Beides gleichzeitig?  4 | 4 Punkte

IDEE / THEMA
♦   Die Idee finde ich sehr gut, auch wenn es in diesem Sinne keine wirkliche Handlung gibt, sondern nur erzählt wird, wie viel näher Simon dem Tod mit jeder Seite kommt und wie sich Kjersti und Henrik näherkommen. Leider hat mir die Handlung ein bisschen gefehlt, aber nur, weil man das eben aus anderen Büchern so kennt. Insgesamt mochte ich die Idee im Grunde sehr gerne. Allerdings fehlte mir manchmal der Hintergrund. 2,5 | 4 Punkte

UMSETZUNG
♦   Die Umsetzung fand ich, um es nett auszudrücken, grottig. Das Buch war in diesem Sinne wirklich schlecht. Sagen wir mal schwach. Dem Autor gelingt es nicht wirklich, ein Geschehen hervorzuheben, sondern lässt Simon dahinvegetieren. Henrik bringt kein wirkliches, erfahrbares Mitgefühl ein, sondern wirkt sehr egoistisch-kleinkindmäßig. Ganz nach dem Motto "Warum lässt du mich allein" lebt er sein Leben und bleibt davon, dass seine Mutter sich nur noch um Simon kümmert, völlig kalt. Ich verstand die Umsetzung im großen Ganzen nicht. Sie ist mir ein Rätsel.   0,5 | 4 Punkte

SCHREIBSTIL
♦   Den Schreibstil fand ich unheimlich schwach. Dieses Buch hätte zum Großteil wirklich von einem Grundschulkind geschrieben sein können. Abgehackte Sätze ohne ein einziges "und" lassen das Buch zusammenhangslos wirken. Stockend und holprig geht es voran. Alle vierzig Seiten wurde man eine wüste Lebensweisheit reingeworfen, aber leider rettet das das Buch auch nicht mehr. Ich hätte so gerne etwas anderes über den Schreibstil gesagt, aber es war einfach schlecht.   0,5 | 5 Punkte

CHARAKTERE
♦   Henrik beschreibt auf eine sehr "kindische" Weise, wie sein Onkel stirbt. Da Henrik allerdings eine ernste Beziehung mit Kjersti zu führen beginnt, würde ich ihn auf mindestens 15 schätzen. Für dieses Alter - wo man den nötigen Anstand besitzen sollte, seinem sterbendem Onkel vom Badezimmerboden aufzuhelfen (selbst wenn er in Erbrochenem liegt) - ist Henrik sehr zurückgeblieben, was dieses Denken angeht. Er denkt manchmal, dass sein Onkel "ekelhaft" ist, da er ja weniger wiegt als Henrik und dementsprechend knochig ist. Sorry, aber Henrik ist alt genug, um zu begreifen, dass sein Onkel da gerade stirbt. Da sitzt man nicht daneben und denkt: "Bahhh ist der eklig!" Sondern man sitzt daneben und kann sich nicht mehr begreifen, gerade wenn Simon wie ein Vater für Henrik war, wie Henrik selbst sagt. Henrik war für mich ein Junge, den ich nicht verstehen konnte. Und würde ich Henrik im echten Leben treffen, würde ich ihm ins Gesicht sagen, dass ich ihn nicht leiden kann. 0 | 3 Punkte

AUTOR
♦   Brynjulf Jung Tjønn wurde 1980 in Seoul geboren und 1982 von einer norwegischen Familie adoptiert. Aufgewachsen ist er in Feios, im Bezirk Sogn og Fjordane. Er debütierte 2002 und hat seitdem sechs Romane für Erwachsene und Jugendliche geschrieben. Er ist ausgebildeter Journalist und hat den Jung Verlag gegründet, der junge und anspruchsvolle Literatur ausschließlich im Internet publiziert.

GESAMTEINDRUCK
♦   Dieses Buch war für mich ein wahrer Flop. Ich schiebe es auf meine hohen Erwartungen und hoffe, dass das ganze ein nur in meinen Augen schiefgegangenes Experiment war, in dem der Autor sich an einem sehr seltsamen Schreibstil ausprobiert hat, um sich von der Masse abzuheben. Dieses Buch wirkt wie ein deutlich missglückter Versuch, eine nette Geschichte in poetischer Weise und mit angenehmen Lebensweisheiten gespickt, auf den Markt zu bringen. Das heißt nicht, dass ich dem Autor nicht noch eine Chance geben würde. Ich denke, die würde ich ihm geben. Aber im Nachhinein bin ich dankbar, das Buch nicht gekauft zu haben und es nach den Ferien wieder in die Hände der Bibliothekarin abgeben zu können. 

11 | 25 Punkte  ~  Ein schiefgegangenes Experiment, bei dem wohl der Schreibstil besonders hervorstechen sollte ...

Kommentare:

  1. Ahhhhh...
    Ich finde es soooo unfassbar schade, dass dir das Buch so gar nicht gefallen konnte... Ich fand es ja wirklich, wirklich gut und naja... Das ligt irgendwo wohl auch an meiner persönlichen Lage...

    Allerliebste Grüße von deiner BBF♥♥♥♥♥♥♥♥

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    1. Tja ... manchmal, aber nur manchmal, gehen unsere Meinungen eben doch auseinander. Ich kann mir vorstellen, warum es dir gefallen hat, aber mir hat leider das ein oder andere deutlich gefehlt.
      Ich schick dir eine feste Umarmung und ganz viel Kraft ♥

      Allerliebste Grüße an meine BBF zurück ☼♥

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  2. Ich habe das Buch selber nicht gelesen und ehrlich gesagt, habe ich das jetzt auch nicht vor. Nach dem Beispiel, wie Henrik sich verhalten hat, kann ich mich mit ihm auch gar nicht anfreunden und das mit dem Schreibstil ist auch echt schade, da die Inhaltsangabe sich nach mehr anhört...
    Und ich hatte gesehen, dass du das Hörbuch zu Infernal gehört hattest, aber hab mir die Rezi nicht durchgelesen, um mir ein eigenes Bild von dem Buch machen können :)
    Liebste Grüße, Calli ♥♥
    http://sparklingforstars.blogspot.de/

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    1. Ich finde es immer sehr schade, wenn der Protagonist einem nicht sympathisch ist. Das macht das ganze Buch dann so viel langweiliger. Und ich finde auch, dass die Inhaltsangabe dieses Buches dann eben doch sehr viel verspricht.
      Ah okay, cool :D Ich kann dich da gut verstehen... Ich wünsch dir ganz viel Spaß mit Infernale denn ... den wirst du haben! ;)

      Ganz viele liebe Grüße an dich zurück ☼♥

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